Sonntag, 15. April 2018

[Lady Diamond 1] Kapitel 9

Jetzt ist es dir wie mir ergangen“, sprach der rote Schattenritter zu Sir Nix. „Du hast ebenfalls keinen magischen Edelstein ergattern können.“
„Ich weiß nicht, wie das passieren konnte“, entgegnete der Ritter in der dunkelblauen Rüstung. „Ich hatte der Zielperson die Saat der Dunkelheit eingepflanzt. Ich spürte auch, wie sie sich in ein Monster verwandelte. Aber irgendwas ist passiert, das eine Rückverwandlung verursachte.“
„Vielleicht wird Sir Venenum mehr Glück haben. König Umbra hat gerade nach ihm gerufen.“

Und tatsächlich befand sich nun der Ritter mit der dunkelgrünen Rüstung im Thronsaal vor dem Herrscher der Dunkelheit. Er hatte langes, glattes, schwarzes Haar und wirkte sehr erhaben. Er war der einzige der Schattenritter, der sich nicht vor dem König fürchtete. So sehr war er von sich selbst überzeugt.
„Sir Venenum“, sprach König Umbra, „mein Ritter mit der Kraft des tödlichen Giftes, du sollst für mich die Edelsteine finden.“
„Verstanden, Eure Majestät. Ich werde den Auftrag zu Eurer Zufriedenheit ausführen. Ihr werdet nicht enttäuscht sein.“
„Das hoffe ich doch, Sir Venenum. Sir Acidum und Sir Nix haben leider bereits versagt. Mir läuft die Zeit langsam davon. Meine Kräfte schwinden. Ich brauche die magischen Edelsteine. Finde sie!“

Der Schattenritter nickte und verließ den Thronsaal. Im Raum des Orakels wurde er schon erwartet.
„Sir Venenum, nehmt Platz“, forderte die schöne Wahrsagerin ihn auf. „Ich werde eine perfekte Zielperson für Euch finden.“
Doch der Ritter blieb lieber stehen und schaute das Orakel ungeduldig an. Sofort machte sie sich an die Arbeit. Sie konzentrierte sich und strich mit ihren Händen über ihre gläserne Kugel. Es dauerte nicht lange, bis das Bild einer hübschen Schülerin zu sehen war.
Ohne ein Wort drehte sich Sir Venenum um und verließ den Raum der Wahrsagerin. Nun wusste er das, was er wissen wollte und daher brauchte er keine weitere Zeit mehr zu verschwenden.

Mitten im Englischunterricht ertönten die Lautsprecher und der Schulsprecher Kai hatte eine Durchsage zu machen. Lorena hörte mit gespitzten Ohren zu:
„Liebe Schülerschaft, ich möchte euch dazu aufrufen, mich bei einer Herzensangelegenheit zu unterstützen. Für Kinder in Not möchte ich eine Spendenaktion organisieren und brauche hierfür ein Team. Wer Interesse und Lust hat, sich für eine gute Sache einzusetzen, soll in der großen Pause bitte ins Büro der Schülervertretung kommen. Ich freue mich über euer Engagement.“
Bei dieser Stimme schmolz Lorena dahin. Kai war sicherlich der bestaussehendste Schüler der ganzen Schule und ein Jahrgang über sie. Er hatte dunkelblondes Haar, blaue Augen und eine Figur wie Adonis. Das war ja auch nicht verwunderlich, weil er in der Jugenmannschaft des Fußballvereins war und regelmäßig im Fitnessstudio trainierte, so wie sie gehört hatte. Ohne lange darüber nachzudenken, beschloss Lorena dem Organisationsteam beizutreten.
In der Pause schnappte sie sich Janine und ging mit ihr zusammen zum Büro der Schülervertretung. Die Tür war geöffnet und ein paar Schüler standen eng beieinander in dem kleinen Raum. Unter den Bereitwilligen waren hauptsächlich Mädchen. Ein oder zwei Jungen waren auch darunter.
„Schreibt bitte eure Namen auf diese Liste“, forderte Kai die Schüler auf. „Wir treffen uns dann morgen für die erste Besprechung.“
„Das sind doch hier schon genug Schüler“, flüsterte Janine ihrer neuen Freundin zu. „Wollen wir dann wirklich auch noch mitmachen?“
„Aber sicher doch“, entgegnete ihr Lorena. „Das ist für eine gute Sache.“
„Da hast du auch wieder recht“, befand die blonde Schülerin mit den Sommersprossen und schrieb sich gemeinsam mit Lorena auf die Liste.

Den ganzen Tag und die ganze Nacht konnte es die Fünfzehnjährige nicht abwarten, bis das erste Treffen mit dem Organisationsteam stattfinden sollte. So würde sie Kai ein wenig näher sein. Darauf freute sie sich sehr.
Endlich war es soweit und sie ging gemeinsam mit Janine erneut zum Büro der Schülervertretung. Doch dieses Mal war der Andrang nicht sehr groß. Neben ihnen beiden waren noch weitere vier Mädchen anwesend. Kai kommentierte dies:
„So ist es meistens. Anfangs melden sich viele und sind hochmotiviert. Doch wenn es dann richtig losgeht und sich die Leute bewusst machen, dass da Arbeit dahintersteckt, überlegen sie es sich anders.“
„Traurig“, bestätigte Janine Kais Ausführungen.
„Aber danke“, fuhr der Schulsprecher fort, „dass ihr wiedergekommen seid und mithelfen wollt.“
„Nichts zu danken“, meldete sich eine Schülerin aus Lorenas und Janines Parallelklasse. Sie hieß Nadja und war eine südländische Schönheit wie sie im Buche stand. Dunkles, lockiges Haar, große Augen und volle Lippen. Ihre Figur war nahezu perfekt. Sie lächelte Kai mit perlweißen Zähnen an, was Lorena ein Stich ins Herz versetzte. Neben ihr sah sie selbst wie eine Bauernmagd aus. Das nagte an ihr.
„Wir sollten mal Ideen für eine Spendenaktion sammeln“, unterbrach Kai Lorenas Gedanken. „Ich notiere mal alle Vorschläge und dann diskutieren wir darüber.“
Das Treffen dauerte etwa eine Stunde. Sie einigten sich schließlich auf einen Spendenlauf. Dafür suchten sich Schüler Sponsoren, die einen Geldbetrag festlegen, den sie pro Runde, die derjenige Schüler auf dem Sportplatz machen würde, spendeten. Oftmals kam da ein beachtliches Sümmchen zusammen. Das Organisationsteam würde sich um Sponsoren für die Schülerschaft kümmern. Am nächsten Tag wollten sie einen Stand auf dem Schulhof aufbauen, an dem sich die Schüler für den Lauf anmelden konnten.
Lorena freute sich darauf, Kai nun regelmäßig sehen zu dürfen. Hoffentlich schenkte er dieser Nadja nicht zu viel Beachtung.

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