Sonntag, 1. April 2018

[Lady Diamond 1] Kapitel 7

Vor dem Schlafengehen schaut sich Janine noch einmal die Fotos des Nachmittags auf dem Instagram-Profil ihrer neuen Freundin an. Es hatte so viel Spaß gemacht und sie bereute ein wenig, warum sie Lorena nicht früher kennenlernen wollte.
Lächelnd legte sie ihr Handy auf den Nachttisch und machte es sich in ihrem Bett gemütlich. Mit einem wohligen Gefühl schlief sie selig ein.
Doch sie ahnte nicht, dass jemand vor ihrem Fenster wartete. Lautlos stieg er in das Zimmer, ohne das Mädchen zu wecken. Es war Sir Nix. Er stellte sich ans Bett der Schülerin und beobachtete, wie sie ruhig atmetete. Dann beugte er sich über sie und gab ihr einen Kuss auf den Mund. Es durchzuckte das Mädchen, wovon sie aufwachte und die Augen erschrocken aufriss. Doch als sie sich in ihrem Zimmer umblickte, war da niemand mehr. Sie schüttelte den unangehmen Gedanken von sich und drehte sich um, um weiter zu schlafen. Sie wusste nicht, dass der Schattenritter ihr die Saat der Dunkelheit eingepflanzt hatte.

Am nächsten Morgen freute sich Lorena auf die Schule. Sofort stellte sie sich zu ihrer neuen Freundin und die beiden quatschten los.
„Wollen wir heute wieder ins Einkaufszentrum?“, fragte Lorena schließlich.
„Sehr gerne“, antwortete Janine lächelnd.
Als es später zur großen Pause klingelte, lief die Fünfzehnjährige direkt auf ihre Schulkameradin zu, doch diese schien sie plötzlich nicht mehr zu beachten. Sie ging einfach an ihr vorüber und ignorierte sie.

Hatte sie mich nicht gesehen?
Nach dem Unterricht fragte sie dann ihre Freundin kleinlaut, ob die Verabredung noch stünde.
„Na klar“, antwortete Janine mit ernster Stimme, als ob ihre gute Laune wie verflogen war. „Lass uns gehen.“
Den ganzen Weg über sprach Janine kein Wort, was Lorena sehr wunderte. Sie schob es aber auf die Mathearbeit, die sie heute zurückbekommen hatten. Wahrscheinlich hatte Janine eine schlechte Note geschrieben und daher beschloss die Schülerin, ihre neue Freundin erst einmal in Ruhe zu lassen.
Im Einkaufszentrum gingen sie dann wieder in die kleine Boutique mit den schönen Kleidern. Janine griff zu einem schwarzen Minikleid mit Glitzerpartikeln und sagte:
„Das möchte ich anprobieren.“
„Oh ja“, erwiderte Lorena, „das wird dir sicherlich sehr gut stehen. Ich mach dann ein Foto von dir.“
Doch Janine blieb ernst und schaute Lorena mit heruntergezogenen Augenbrauen an. Dann schnappte sie sich das Kleid und verschwand in der Umkleidekabine.
Als sie herauskam, sah sie völlig verändert aus. Irgendwie viel älter. Als ob sie beim Anprobieren zu einer richtigen Frau geworden war. Lorena fiel die Kinnlade herunter.
„Du sieht wunderschön aus“, sprach sie schließlich, als sie ihre Worte wiederfand.
Doch Janine bedankte sich nicht für das Kompliment. Stattdessen sagte sie:
„Mir gefällt das Kleid. Das behalte ich.“
Die Fünfzehnjährige war erstaunt, da ihre neue Freundin noch am Vortag behauptete, ihr Taschengeld würde für so etwas nicht ausreichen. Außerdem war das schwarze Minikleid sehr teuer.
„Kannst du es dir denn leisten?“, wollte Lorena wissen.
„Das geht dich nichts an“, antwortete Janine bissig, sodass Lorena zusammenfuhr.
Dann schnappte sich die blonde Schülerin ihren Rucksack mit den Schulsachen und lief einfach in Richtung Ausgang.
„Was hast du vor?“, rief ihr Lorena hinterher.
Doch Janine antwortete nicht und verließ das Geschäft, ohne zu bezahlen. Die Fünfzehnjährige lief ihr schnell hinterher, griff ihrer Schulkameradin an die Schulter und sagte:
„Du kannst es doch nicht einfach stehlen.“
Da holte das Mädchen in dem schwarzen Kleid aus und schubste Lorena mit voller Wucht von sich.
„Lass mich in Ruhe“, brüllte sie wütend.
Da ertönte die Alarmsirene der Boutique und die Verkäuferin kam auf sie zugerannt.
„Hey!“, rief sie. „Kommen Sie sofort zurück.“
Doch Janine rannte einfach davon, sodass ihr Lorena nur entsetzt hinterherschauen konnte.
Was ist mit ihr?
„Kennen Sie die Frau?“, wollte die Verkäuferin von der Schülerin wissen.
Lorena erhob sich vom Boden, schaute nach wie vor in die Richtung, in der Janine gerannt war und antwortete beinahe flüsternd:
„Ich denke nicht.“
Und tatsächlich wusste sie nicht mehr, wer ihre Schulkameradin eigentlich war. Gestern war sie noch so nett und freundlich. Heute war sie fies und gemein. Sie hätte niemals gedacht, dass sie im Stande war, ein Kleid in einem Geschäft zu stehlen. Aber vielleicht hatte sie sich geirrt und Janine hatte ihr am Vortag nur etwas vorgespielt. Vielleicht waren ihre Menschenkenntnisse so schlecht, dass sie auf ein billiges Schauspiel hereinfiel.
Da die Verkäuferin Lorena einfach stehen ließ und zurück in die Boutique ging, wo sie nach dem Telefon griff, um wahrscheinlich die Polizei zu rufen, ging Lorena einfach. Sie war froh, dass sie keine Aussage über ihre Schulkameradin machen musste. Sie hätte nämlich nicht gewusst, ob sie sie verraten oder beschützen sollte. Verwirrt machte sie sich auf den Heimweg.

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