Sonntag, 11. März 2018

[Lady Diamond 1] Kapitel 4

Lorena war schlecht gelaunt, als sie von der Schule kam. Wieder wurde sie wegen ihrer weißen Strähne gehänselt. Sie versuchte sich mit Youtube-Videos abzulenken, aber das funktionierte nicht. Selbst ein Video von einer bekannten Youtuberin, die sich das Haar komplett weiß gefärbt hat, konnte sie nicht aufmuntern.
Nach langer Überlegung beschloss sie Anielle im Frisörsalon einen Besuch abzustatten. Sie entschloss sich dazu, sich die weiße Strähne wieder braun färben zu lassen und dem Ganzen ein Ende zu setzen.
Irgendwie freute sie sich auf den Besuch. Hoffentlich hatte die Frisörin auch gleich Zeit für sie. Als sie endlich beim Laden angekommen war, kam eine Frau herausgestürmt.
„Was eine Frechheit“, beschwerte sie sich.
„Bleiben Sie, wo der Pfeffer wächst!“, schimpfte Anielle lautstark von innen.
Lorena wunderte sich. Sie hatte Anielle als sehr freundlich wahrgenommen. Also musste diese Kundin sie wohl sehr verärgert haben.
Als sie den Salon betrat, begrüßte sie Anielle:
„Hallo, Anielle! Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen.“
„Doch“, entgegnete ihr die Frisörin sofort mit ernster Stimme. „Was willst du hier?“
„Oh, entschuldige bitte. Da komme ich wohl zum falschen Zeitpunkt.“ Ihr war es sehr unangenehm, weil sie merkte, dass Anielle nicht gut drauf war. „Ich wollte eigentlich dein Angebot annehmen und mir die weiße Strähne färben lassen.“

„Ach meinst du, das Geld wächst auf Bäumen und ich mache das kostenlos?“
Die Fünfzehnjährige zögerte einen Moment, bevor sie antwortete:
„Das hattest du mir ja so angeboten.“
„Vergiss es! Du zahlst gefälligst wie jeder andere auch.“
„Okay, ich merke gerade, dass deine Laune gerade nicht die beste ist.“
„Meine Laune ist super. Was unterstellst du mir eigentlich?“ Die Frisörin kam Lorena sehr nahe. „Du bist ganz schön frech!“
„Was ist los mit dir?“, fragte die Schülerin kleinlaut. „Ich glaube, ich gehe lieber auch.“
„Du bleibst schön hier und entschuldigst dich!“ Die Frisörin packte Lorena am Arm und hielt sie fest.
„Du tust mir weh“, quängelte Lorena schüchtern. „Bitte lass mich los!“
Anielle griff zur Ablage neben sich und schnappte sich eine spitze Schere. Lorena sah das und geriet in Panik. Mit einer Hand umklammert drohte die Frisören mit der Schere:
„Also? Wo bleibt die Entschuldigung?“
Sie fuchtelte mit der Spitze direkt vor Lorenas Gesicht. Das Herz der Fünfzehnjährigen pochte schneller und schneller.
„Es tut mir leid“, sprach sie. „Wirklich!“
„Meinst du, das glaube ich dir? Du bist eine freche Göre“, brüllte Anielle los.
Vor Schreck zuckte Lorena zusammen und löste sich aus dem Griff der Frisörin. Sofort lief sie los. Leider blockierte Anielle die Ausgangstür, sodass Lorena in die andere Richtung huschte. Da war eine Tür. Sie rannte darauf zu, drückte sie auf und sprang hinein. Hinter sich schmiss sie die Tür zu und stemmte sich mit aller Kraft dagegen. Dann merkte sie erst, dass sie sich in einer Besenkammer befand. Es war dunkel. Fast war es so, wie in ihrem Traum. Sie hatte Angst.
Was ist nur mit ihr los?
In diesem Moment schlug es von außen gegen die Tür. Lorena stieß einen kurzen Schrei aus. Mit aller Kraft versuchte sie, die Tür zuzuhalten. Sie hatte große Angst.
„Bitte, Anielle! Hör auf!“, flehte sie. „Ich habe dir nichts getan.“
„Komm raus! Dann wirst du was erleben“, drohte die Frisörin weiterhin.
Lorena hatte wirklich große Angst. Sie merkte, wie ihr die Tränen in die Augen schossen. Sie hoffte, dass sie jemand retten würde. Es müsste nur ein Kunde in den Laden kommen.
Bitte!
Aber es kam niemand und Lorena hatte alle Mühe, die Tür geschlossen zu halten. Von außen drückte Anielle fester und fester. Einen Spalt war sie bereits geöffnet und das Mädchen verzweifelte immer mehr. Da hörte sie plötzlich eine innere Stimme:
Glaub an dich! Dann kannst du die Macht des magischen Diamanten freisetzen!
Lorena riss die Augen auf. Sie fragte sich, was das war? Für einen Moment ließ sie die Tür los und da stürmte Anielle in die Besenkammer.
„Jetzt habe ich dich!“
Lorena schrie los vor Angst. Jetzt dachte sie, dass alles aus wäre. Nun würde sie mit der Schere erstochen werden. Die Frisörin blickte sie mit blutunterlaufenen Augen an. Ihr Gesicht verzog sich zu einer Fratze. Plötzlich schien sie außerdem zu wachsen und breiter zu werden. Nein! Sie wuchs tatsächlich. Die Kleider an ihrem Körper platzten auf. Ihre Haut verfärbte sich und wurde aschgrau. Die Hände veränderten sich zu Klauen, die wie Scheren aussahen.
Lorena klappte der Mund auf und ihre Augen vergrößerten sich. Sie bekam keinen Ton heraus, so erstarrt war sie vor Schock.
„Jetzt bist du erledigt“, krächzte das Monster, das einmal die Frisörin gewesen war.
Bewegungslos stand Lorena da. Ihr Herz klopfte wie wild. Ihre Panik stieg und stieg. Als das Monster mit seinen Scheren ausholte, schrie sie schließlich los. Da leuchtete plötzlich ihre Brust. Ein heller Schein umhüllte sie und schleuderte das Monster nach draußen vor die Kammer. Das Licht formte sich zu einer Gestalt, die aussah wie ein Mensch. Lorena blickte sie verwundert an.
„Hallo, Lorena. Ich bin die Hüterin des magischen Diamantes.“
„Wie bitte?“ Die Fünfzehnjährige verstand nichts. Mit fragendem Blick schaute sie die Lichtgestalt an.
„Du kannst das Monster besiegen. In dir steckt der magische Diamant. Mit seiner Kraft kannst du es schaffen.“
„In mir steckt was?“, hakte die Schülerin nach. Sie war völlig verwirrt.
Da leuchtete ihr Herz erneut auf und aus ihrem Körper kam ein leuchtender Diamant. Dieser landete sanft in Lorenas Händen und verwandelte sich in ein Amulett.
„Was ist das?“
„Damit kannst du dich in Lady Diamond verwandeln. Du musst nur die Worte aussprechen: Kräfte des magischen Diamanten!“
Lorena zögerte. Konnte sie dieser Erklärung wirklich trauen? Was passierte hier? Sie wusste gar nicht, wie ihr geschah. Für einen Augenblick schloss sie die Augen. Da rappelte sich das Scherenmonster wieder auf. Als sie das bemerkte, hängte sie sich das Amulett um den Hals und rief:
„Kräfte des magischen Diemanten!“
Lorenas Körper wurde erneut in Licht getränkt. Ein warmes Gefühl umhüllte sie. Sie spürte, wie sich plötzlich etwas an ihren Körper schmiegte. Als das Licht verschwand, sah sie, dass sie komplett verwandelt war. Sie trug eine Art Schutzkleidung mit einem Büstenhalter aus Metall, einen kurzen Rock, Handschuhe und Stiefel. Ihre Augen wurden von einer Maske verdeckt.
„Wer bin ich?“, fragte sie sich selbst.
Die Lichtgestalt antwortete jedoch:
„Du bist die Kämpferin der Reinheit – Lady Diamond. Mit den Kräften des magischen Diamanten kannst du das Böse aufhalten. Greif das Monster mit deinen Diamantensplittern an.“
Mit diesen Worten verschwand die Lichtgestalt und löste sich in Luft auf.
Da sprintete das Monster auf sie zu und wollte sie erneut angreifen.
„Nein!“, rief die Kämpferin und wich dem Ungetüm gerade noch aus.
Ich wusste garnicht, wie gut meine Reflexe sind.
Doch das Monster holte noch mal aus und schlug zu. Lady Diamond hielt schützend die Arme vor sich und das funktionierte sogar. Sie konnte sich auf den Beinen halten. Von da an glaubte sie an die Worte der Lichtgestalt und gewann an Selbstvertrauen. Nun wusste sie, was sie zu tun hatte.
„Jetzt reicht es“, rief sie. „Ich weiß nicht, wie du es geschafft hast, den Körper einer sehr netten Frisörin zu übernehmen. Aber nun ist Schluss damit! Ich bin die unbezwingbare Kämpferin der Reinheit – Lady Diamond. Mit den Kräften der Energie besiege ich dich!“
„Was ein blödes Geschwätz“, brüllte das Ungetüm. Und dann holte es mit seiner Scherenhand aus. Doch bevor ein Schlag die Kämpferin treffen konnte, setzte Lady Diamond ihre Attacke ein:
„Diamantensplitter!“
Eine Flut an scharfkantigen Splittern prasselte auf das Monster ein. Vor Qualen brüllte es los. Schließlich fiel es zu Boden und verwandelte sich zurück in die Frisörin.
„Anielle!“, rief die Heldin erfreut und beugte sich zu ihr hinunter.
Zum Glück atmete die junge Frau mit den pinken Haaren noch. Damit wusste Lorena, dass die Frisörin gerettet war.

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