Sonntag, 4. Februar 2018

[Elementum 2] Stille Wasser - Kapitel 26

Als die fünf Schüler wieder in der Schule zurückkehrten, herrschte große Aufruhr. Die Wachmänner suchten das ganze Gelände ab und auch die Lehrer waren sehr besorgt, wo die Jugendlichen abgeblieben waren.
Sobald sie die Pforte des Hauses 4E betreten hatten, wurde von allen Seiten auf sie eingeredet. Die Wachmänner und die Lehrer wollten wissen, was vorgefallen war. Irgendwann ergriff Rektor Quinn ein Machtwort und zitierte die fünf Schüler in sein Büro. Dort sprach er alleine mit ihnen und sie erklärten haarklein, was passiert war.
Dann behauptete er einfach“, so erzählte Robin aufgebracht, „dass ich garnicht in meinem Zimmer war und er deshalb Marin entführte. Aber das ist ja wohl total gelogen. Schließlich hatte er mir etwas eingeflößt.“
Äh Robin“, mischte sich Iggy von der Seite ein, „du weißt schon, dass du manchmal schlafwandelst und dann einfach nachts aus deinem Zimmer läufst.“
Wie bitte?“
Alle starrten den jungen Feuer-Elementaristen an.
Wusstest du das etwa nicht?“
Nein“, antwortete das Elementum verwirrt.
Das machst du schon seit der ersten Woche hier im Internat. Ich dachte, das wäre dir bewusst und deshalb hatte ich nie etwas gesagt.“

Das erklärt auch, warum du dich am Morgen so groggy gefühlt hast“, warf Marina ein. „Aber eigentlich müsstest du das öfter haben.“
Da überlegte Robin angestrengt und tatsächlich fiel es ihm manchmal morgens schwer, aus dem Bett zu kommen. Aber das bezog er eher darauf, dass er lange aufblieb. An Heiligabend war das ja nicht der Fall gewesen. Da ging er ja relativ früh ins Bett und daher schob er seine Verfassung auf den Entführer, den er ja zu dem Zeitpunkt noch für Marin selbst hielt.
Also wollte er mich eigentlich wirklich umbringen“, stellte der Sechzehnjährige resigniert fest.
Und das müssen wir verhindern“, erwiderte der Rektor feststellend. „Wir werden uns etwas einfallen lassen. Gehen Sie aber bitte jetzt alle auf Ihre Zimmer und ruhen Sie sich aus. Morgen werden wir das Ganze weiter besprechen. Es wird auch Konsequenzen geben, dass Sie unerlaubt das Gelände mitten in der Nacht verlassen haben.“
Damit war diese kleine Unterredung beendet und die Jugendlichen verließen das Büro.

Im Treppenhaus nutzte Robin die Gunst der Stunde und fragte Iggy und Aria, ob er kurz noch mit ihnen sprechen dürfte. Glücklicherweise stimmte die Luft-Elementaristin sofort zu, sodass Iggy ebenfalls nachgab. Marina lächelte ihren Freund an, da sie stolz darauf war, dass er nun reinen Tisch machen mochte. Sie nahm Jojo mit und ließ die drei alleine. Iggy sagte schließlich:
Ich warte auch mal unten auf euch.“
So konnten zunächst Robin und Aria miteinander sprechen. Der Sechzehnjährige bedachte seine Worte:
Hast du meinen Brief gelesen?“
Ja, das habe ich und ich danke dir dafür.“
Bist du mir nicht böse?“
Ehrlich gesagt war ich es von Anfang nicht. Ich war nur traurig. Irgendwie dachte ich, aus uns könnte was werden. Aber wenn es eher zwischen Marina und dir gefunkt hat, kann man nichts machen. Die Liebe kann man nicht erzwingen. Sie ist da, wo sie hinfällt.“
Wow“, bewunderte Robin ihre Ausführungen. „Du bist echt weise. Vielen Dank!“
Das hast du auch Marina zu verdanken. Sie hat mich angerufen und gebeten, hierher zu kommen. Dann konnten wir Mädels auch ein bisschen quatschen.“
Die Luft-Elementaristin lächelte liebevoll und Robin freute sich darüber. Er umarmte sie und sodann verließen sie das Verwaltungsgebäude.
Draußen wartete bereits Iggy. Aria verabschiedete sich und lief in Richtung Mädchentrakt. Nun waren der Rotschopf und der blonde Elementarist allein. Iggy schaute seinen ehemals besten Freund mit ernster Miene an.
Du scheinst immernoch sauer auf mich zu sein“, begann das Elementum zaghaft.
Hast du gedacht, ein Brief würde alles vergessen lassen, was du angestellt hast.“
Robin seufzte, bevor er weitersprach:
Irgendwie hatte ich das schon gedacht oder erhofft. Ich wollte dir nichts Böses. Es war einfach nur unbedacht.“
Kannst du mir versprechen, in Zukunft ein bisschen früher nachzudenken, bevor du handelst?“
Der Sechzehnjährige hob gespielt feierlich seine rechte Hand und sagte:
Ich schwöre!“
Da musste Iggy grinsen.
Du Blödmann!“
Endlich hatte Robin das Eis gebrochen. Aber trotzdem interessierte ihn etwas:
Warum bist du denn überhaupt hierher gekommen, wenn du noch sauer auf mich bist?“
Marina hat auf mich eingeredet. Außerdem warst du in ernster Gefahr und da musste ich den Streit einfach hinten anstellen. So professionell bin ich halt eben“, scherzte der rothaarige Elementarist abschließend, sodass beide in ein Lachen verfielen.
Zu guter Letzt umarmten sie sich und Robin war happy. Er traute sich sogar, eine ganz bestimmte Frage zu stellen:
Und möchtest du wieder mein Zimmergenosse sein?“
Aber ganz sicher doch“, bejahte Iggy und hielt seinen Daumen nach oben.
Endlich war die Sache aus der Welt geschafft und das Elementum war überaus erleichtert. Nun würde er aufpassen, was er wem erzählte, damit er Iggy nicht wieder vor den Kopf stieß. Im Zweifelsfall nahm er sich vor, es mit seinem besten Freund abzusprechen.

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