Sonntag, 8. Oktober 2017

[Elementum 2] Stille Wasser - Kapitel 11

Robin trommelte am nächsten Tag seine Freunde zusammen. Beim Essen erzählten Aria und er, was in der Nacht vorgefallen war.
Ihr wurdet angegriffen?“, fragte Iggy erstaunt.
Ja, von einem Wasser-Elementaristen.“
Unglaublich!“ Der rothaarige Feuer-Elementarist schüttelte den Kopf. „Und wer war es?“
Das wüssten wir auch sehr gerne“, entgegnete Aria. „Aber wir haben niemanden gesehen.“
Das ist ja sehr mysteriös“, bestätigte Jojo.
Derjenige muss aber sehr stark sein“, ergänzte Robin. „Wahrscheinlich befand er sich im Fluss. Und das ist nicht ungefährlich, zumal es bei diesen Temperaturen sehr frostig darin ist.“
Frau d'Air kann im Winter auch im Kleidchen herumlaufen“, gab Iggy zu Bedneken. „So ist es bestimmt auch bei mächtigen Wasser-Elementaristen.“
Die Freunde nickten zustimmend.
Robin vermutet“, sprach Aria, „dass es derselbe Typ ist, der ihn damals in Berlin angegriffen hatte.“
Meinst du wirklich?“, hakte Iggy nach.

Ich denke schon“, bestätigte das Elementum. „Er wurde ja bisher nicht geschnappt. Wir gingen immer davon aus, dass er von Skye engagiert wurde. Aber vielleicht ist er noch immer hinter mir her.“
Jetzt nimm dich mal nicht so wichtig“, hakte Aria ein. „Vielleicht bin ich ja auch sein Opfer.“ Freundschaftlich schlug das Mädchen dem Sechzehnjährigen auf die Schulter.
Wir sollten davon ausgehen, dass wir alle in Gefahr schweben“, stellte Iggy resigniert fest. „Wir sitzen alle in einem Boot.“
Und was sollen wir nun tun?“, wollte die Luft-Elementaristin wissen.
Wenn nur Marina hier wäre. Sie wüsste vielleicht, was wir tun sollten“, vermutete Robin.
Sie würde wahrscheinlich die Lehrer alarmieren, so wie ich es wollte“, entgegnete das einzige Mädchen am Tisch. „Aber das willst du nicht.“
Wieso?“, wollte nun Jojo wissen.
Nur ein Wort: Ausgangssperre.“
Ach so“, nickte der Erd-Elementarist das ab. „Darauf habe ich auch keinen Bock.“
Am ganzen Tisch herrschte eine Weile lang ein nachdenkliches Schweigen. Doch dann äußerte sich Robin endlich:
Mir kam gerade etwas in den Sinn.“
Schieß los!“, forderte Iggy seinen besten Freund auf.
Vielleicht steckt auch Marin dahinter.“
Alle starten das junge Elementum ungläubig an, bis Aria etwas dazu sagte:
Du meinst, er steckt dahinter? Wie kommst du darauf?
Ihr hättet ihn in Hamburg erleben müssen. Er ist ein selbstgefälliges Arschloch. Wie er Marina da hineingeritten hat, ist nicht okay.“
Aber das macht ihn doch nicht zu einem Verbrecher“, gab Jojo zu bedenken.
Ich denke schon, dass er Dreck am Stecken hat“, erwiderte Robin vehement.
Vielleicht bist du nur ein wenig traumatisiert wegen der Sache mit Skye“, vermutete Aria.
Nein, das ist nicht wahr“, widersprach er.
Aber du kannst nicht jeden neuen Lehrer hier für so eine Tat beschuldigen“, entgegnete nun das Mädchen wieder.
Marin ist kein Lehrer und er ist nicht in Ordnung, das sage ich euch. Bei Skye hatte ich auch recht.“
Siehst du“, sprach Aria erneut, „du denkst, es ist der gleiche Fall wie bei Skye. Du solltest keine voreiligen Schlüsse ziehen.“
Also glaubt ihr mir nicht.“
So ist das nicht“, sagte nun Iggy. „Nur wir sollten das überprüfen. Lasst uns herausfinden, wo Marin heute Nacht war.“
Das ist doch ein sinnvoller Vorschlag“, bestätigte Robin. Und so war ein Plan gefasst.

Zusammen mit Jojo suchte das Elementum Marinas Bruder auf. Er klopfte erneut an sein Zimmer. Es dauerte nicht lange, bis er öffnete.
Ach du bist es, Robin. Was kann ich für dich tun?“
Wir haben mal eine Frage“, begann der Sechzehnjährige, doch sein hühnenhafter Freund fuhr fort:
Wo warst du heute Nacht?“
Hä?“, wunderte sich der Student. „Was ist das denn für eine Frage?“
Robin dachte schnell nach. Wie könnten sie etwas aus ihm herausbekommen? Eine Notlüge musste her:
Wir haben heute Nacht schon einmal an deine Tür geklopft. Wir brauchten deine Hilfe, aber du hast nicht geöffnet.“
Dann habe ich euch wohl nicht gehört. Ich habe einen sehr festen Schlaf.“
Also warst du hier in deinem Zimmer?“, versuchte es Robin noch einmal.
Wo sollte ich denn sonst gewesen sein?“
So funktionierte das nicht. Marin hatte ein Einzelzimmer und daher keinen Zeugen. Sie würden nicht herausfinden können, ob er die Wahrheit sprach.
Okay, danke dir“, brach das Elementum das Gespräch ab. Er zog Jojo am Arm und wollte gerade mit ihm wieder verschwinden.
Wartet mal“, hielt sie Marin auf. „Wozu brauchtet ihr meine Hilfe?“
Äh...“ Beide schauten sich gegenseitig hilfesuchend an. Sie brauchten eine Ausrede. Aber so schnell fiel ihnen nichts ein. Also sprach Robin wieter:
Schon gut. Hat sich erledigt.“
Mit diesen Worten verzogen sich die beiden Schüler blitzschnell und ließen Marin verdutzt im Türrahmen stehen.

Als sie außer Hör- und Sichtweite waren, konnte Robin nicht mehr an sich halten:
So kommen wir nicht weiter. Wir werden nie erfahren, ob er die Wahrheit sagt.“
Robin, ich glaube, er hat nicht gelogen.“
Das Elementum schaute seinen Kumpel verwirrt an.
Wie kannst du da so sicher sein, Jojo?“
Auf mich wirkte es nicht so, als ob er gelogen hat.“
Du lässt dich ja leicht einlullen“, kritisierte der Sechzehnjährige.
Ich glaube, ich habe eine recht gute Menschenkenntnis“, verteidigte sich der Erd-Elementarist.
Beide liefen weiter in Richtung Aufenthaltsraum, wo Iggy und Aria warteten. Sie schwiegen, bis sie dort angekommen waren.
Als sie sich zu den anderen gesetzt hatten, fasste Robin kurz zusammen, was sie herausfinden konnten:
Nichts. Er behauptet, er war im Bett.“
Jetzt sind wir genauso weit wie vorher“, bestätigte Iggy.
Und was tun wir jetzt?“, fragte Aria die Gruppe.
Wir brauchen den kompletten Zirkel“, schlug Iggy vor. „Dann könnten wir demjenigen eine Falle stellen.“
Inwiefern?“, wollte Robin wissen.
Anscheinend werden wir angegriffen, wenn wir das Internat verlassen. Wenn wir gemeinsam draußen auf ihn warten, sind wir stark und können ihn besiegen.“
Du bist ja zuversichtlich“, spottete Aria.
Iggy hat recht“, bestätigte das Elementum. „Jedenfalls können wir jetzt erst einmal nichts tun und müssen abwarten.“

Als sich die Jugendlichen verabschieden wollten, fragte Aria Robin, ob sie noch kurz mit ihm alleine sprechen dürfte. Der Sechzehnjährige hatte kein gutes Gefühl dabei, stimmte aber natürlich zu. Sofort begann Aria von dem gemeinsamen Abend zu sprechen.
Es lief nicht so perfekt.“
Das stimmt“, gab Robin zu.
Aber ich wollte trotzdem wissen, wie du es bis zu dem Angriff fandest.“
Kurz blieb er stumm. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Er konnte ihr ja schlecht beichten, dass er den ganzen Abend nur an Marina denken konnte. Und so versuchte er die am wenigsten verhängnisvollste Antwort zu geben, die ihm einfiel:
Es war ganz schön.“
Du musst nicht lügen. Es war total doof von mir, wie ich mich in der Disko verhalten habe.“
Schon gut. Ehrlich.“
Doch Aria ließ nicht locker. Sie nahm Robins Hände in ihre und schaute ihm tief in die Augen.
Robin, wirklich, ich mag dich ehrlich. Der Typ bedeutete mir überhaupt nichts. Du bist derjenige, der mir etwas bedeutet.“
Wie ein angeschossenes Reh, mit aufgerissenen Augen starrte er das Mädchen an. Er konnte aber nichts sagen.
Da bewegte sich ihr Gesicht erneut auf seines zu und er wusste, dass sie ihn küssen wollte. Kurz bevor sich ihre Lippen trafen, richtete er sich auf und zog seine Hände weg von ihren. Verwirrt blickte sie ihn an.
Ich bin echt sehr müde“, sprach er aufgeregt. „Mein Bett ruft mich. Ich wünsche dir eine gute Nacht.“ Und bevor sie etwas entgegnen konnte, war er auch schon aus dem Aufenthaltsraum verschwunden. Verwirrt blickte Aria ihm nach. Sie wusste nicht, was sie denken sollte. Sie kapierte nicht, was da gerade geschehen war. War er einfach nur schüchtern oder hatte er sein Interesse verloren?
Diese Frage würde sie noch die ganze Nacht beschäftigten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen