Dienstag, 27. Januar 2015

[Märchen by Pero] Die Schöne und das Biest


Original: Volksmärchen 
Die Schöne und das Biest
Bella und Edward

Es war einmal ein reicher Kaufmann, der hatte sechs Kinder, drei Söhne und drei Töchter. Die Söhne waren klug und stark und die Töchter waren schön (meine Güte, sind Märchen diskriminierend...). Am schönsten aber war die Jüngste: Bella. Daher wurde sie „Die Schöne“ genannt und ihre beiden älteren Schwestern waren sehr eifersüchtig.
Durch ein großes Unglück verlor der Kaufmann sein ganzes Vermögen und so musste er seiner Familie erklären, dass sie aufs Land ziehen mussten, um wie Bauern zu leben. Doch kaum hatten das die beiden älteren Schwestern gehört, wiesen sie dieses Vorhaben weit zurück. Niemals würden sie aufs Land ziehen. Lieber würden sie einen Kaufmann heiraten. Doch keiner wollte die beiden mehr haben. Nur die Jüngste hätte einen abbekommen, doch sie wollte ihren Vater nicht im Stich lassen.
Also zogen sie aufs Land, wo Bella mit allen Kräften mitanpackte. Abends war sie stets rechtschaffen müde. Dann las sie noch ein wenig in ihren Büchern, spielte Laute (oder ein bisschen WoW am PC) und ging bald zu Bett.
Die beiden älteren Schwestern hingegen blieben faul und machten keinen Finger krumm. Sie machten sich sogar über Bella lustig. Der Vater wurde traurig darüber, wenn er das mitbekam.
Fast ein ganzes Jahr war vergangen, als plötzlich ein Brief mit der Nachricht eintraf, dass eines seiner Schiffe den Sturm überlebt habe und sicher und wohlbehalten im Hafen gelandet sei. Der Vater rüstete sich sofort zur Abreise und die beiden älteren Schwestern überschlugen sich vor Freude und bestürmten ihn, er möge ihnen doch kostbare Kleider, Peltkragen, Kopfputz, Juwelen und das neue iPhone aus der Stadt mitbringen.
Der Vater versprach, alle Wünsche zu erfüllen und fragte auch Bella, ob sie sich etwas wünschte.
Da sie bescheiden war, antwortete sie:
„Wenn Ihr mir ein Geschenk machen wollt, dann bringt mir eine Rose mit. Ihr wisst, es gibt hier keine Rosen.“
Sodann machte der Vater sich auf die Reise. Als er die Hafenstadt erreichte, war das Schiff tatsächlich eingetroffen - aber gleichzeitig auch eine Menge Gläubiger. Da Peter Zwegat nicht in der Nähe war, musste er vor Gericht und anschließend trat er die Rückreise ebenso arm an, wie er gekommen war.
Leider überraschte ihn ein heftiges Gewitter und der Vater kämpfte sich dadurch. Schließlich erreichte er ein Schloss, auf das er sich rettete. Als er das Schloss betrat, stand er bald in der Mitte eines großen Saales. Dort war eine Tafel herrlich gedeckt. Aus Höflichkeit wollte er aber auf den Hausherrn warten, der nach langer Zeit aber immer noch nicht erschien. Vor Hunger konnte er sich nicht länger zurück halten und nahm ein prächtiges Mahl zu sich. Danach machte er ein Spaziergang durch das Schloss. Schließlich erreichte er ein Zimmer, in dem ein frisch bezogenes Bett stand. Da merkte er erst, wie müde er war und er zögerte nicht lange, schloss die Tür hinter sich und legte sich ins Bett.
Am nächsten Morgen wunderte der Vater sich darüber, dass seine Kleider weggekommen waren. Stattdessen waren da neue, prächtige Gewänder. Er zog sie an und ging wieder in den Saal, wo ihm ein kleines Tischchen gedeckt war.
Nach dem Frühstück stand er auf dem Schlosshof. Von den Laubengängen her wehte ihm der süße Duft von Rosen entgegen. Da dachte er an das Versprechen an seine jüngste Tochter und pflückte ihr eine schöne Rose.
In demselben Augenblick hörte der Kaufmann ein fürchterliches Gebrüll und er sah entsetzt, wie ein hässliches Biest auf ihn zustürzte.
„Undankbarer Mensch!“, brüllte das Tier. „Ich habe dir das Leben gerettet! Ich habe dich in meinem Schloss aufgenommen! Ich habe dir Speisen vorgesetzt und dich in meinem Bett schlafen lassen. Wie aber dankst du mir das? Du raubst mir das Liebste, was ich auf der Welt besitze, meine Rosen.“
Und dann erzitterte das Biest vor Zorn und rief mit schrecklicher Stimme:
„Du bist des Todes! Du musst sterben!“
Der Vater bettelte um Gnade und erklärte, warum er die Rose abgebrochen hatte. Da erkundigte sich das Biest nach den Töchtern und bereitete ihm einem Vorschlag:
„Wäre eine bereit, für dich zu sterben? Unter dieser Bedingung gebe ich dich frei. Schwöre, dass du mir eine deiner Töchter bringst. Will aber keine zu mir kommen, so kehre selbst zurück. Drei Monate gebe ich dir dafür Zeit.“
Der Kaufmann nahm diese Bedingung an, wohl mit dem Gedanken, selbst zurückzukehren. Aber so hatte er zumindest drei Monate Zeit, sich von seinen Kindern zu verabschieden.
Als der Vater nach Hause kehrte, erzählte er seinen Kindern die ganze Geschichte. Die beiden älteren Schwestern gaben Bella die Schuld daran, da sie sich die Rose wünschte und machten sie dafür zur Sau:
„Konntest du nicht nach einem iPhone oder so verlangen?“
„Regt euch doch nicht so auf“, sprach die Schöne ruhig. „Ich sehe es ein und daher werde ich zum Biest gehen.“
Doch das ließen die Brüder nicht zu. Stattdessen wollten sie gegen das Biest kämpfen. Der Vater meinte aber, dass es zu stark für sie sei. Und er sagte aber auch, dass er es nicht zuließe, dass seine Tochter sich opferte. Doch Bella ließ nicht mit sich reden und so einigten sie sich darauf, dass sie ihn zumindest begleitete.
Als sie gemeinsam im Schloss ankamen, war eine herrliche Tafel für sie gedeckt. Nach dem Mahl erschien das Biest mit lautem Gebrüll und fragte Bella, ob sie aus freihen Stücken gekommen war. Als sie dies bejahte, wandte er sich an den Vater:
„Du hast jetzt deine Schuldigkeit getan. Verlass uns morgen früh und kehre nie in dieses Schloss zurück!“
Als sie wieder alleine waren, erklärte der Vater, dass er seine Tochter niemals alleine bei diesem Biest lassen könnte. Doch Bella erklärte, dass Gott (*lol*) sie beschützen und ihr nichts zustoßen würde.
In der Nacht hatte sie dann einen Traum, in der ihr eine vornehme Dame erschien und zu ihr sprach:
„Ich bin sehr stolz auf dich, meine Schöne. Du bist bereit, für deinen Vater zu sterben. Das will ich dir belohnen.“
Als sie ihrem Vater am nächsten Tag von diesem Traum berichtete, tröstete ihn das ein wenig. Doch er war trotzdem sehr traurig, als er Abschied von ihr nahm.
Auch sie weinte zunächst bitterlich, beschloss aber, sich zusammenzureißen. Sie schaute sich im Schloss um und kam dann irgendwann an eine Tür, auf der stand: „WC“. Dann kam sie an eine andere Tür, auf der stand: „Dies sind die Räume der Schönen.“ Und als sie diese betrat, war sie völlig beeindruckt. Sie hatte alles, was sie sich je erträumt hatte - von modernen Computern, Flachbildschirmen und alle Spielekonsolen, die es auf der Welt gab.
Sie schritt auf einen der hohen Schränke zu und nahm ein Buch heraus. Auf der ersten Seite las sie:
„Wünscht und befehlt, Ihr seid hier die Herrin.“
„Ich habe nur einen Wunsch“, rief die Schöne, „ich möchte meinen Vater wiedersehen.“
Da ging der große LCD-Flachbildschirmfernseher an und sie sah den Vater, wie er zutiefst niedergeschlagen heimkehrte.
Am Abend war die Tafel im Saale wieder festlich gedeckt. Als sie gerade dinieren wollte, hörte sie das Biest. Mit lauten Getöse stieß er die Tür auf und trat herein.
Er fragte zu Bellas Erstaunen höflich, ob er ihr Gesellschaft leisten dürfte. Sie unterhielten sich und flirteten miteinander. Das Biest fand sich hässlich, aber Bella meinte, er hätte ein gutes Herz. Und so ging es hin und her und das Biest rang ihr einige Komplimente ab. Schließlich verlor Stephanie die Angst vor dem Biest und war erleichtert.
Da fragte das Biest plötzlich mit feierlicher Stimme:
„Wollt ihr mich heiraten, Schöne?“
„Du gehst aber ran“, war ihre Antwort. „Nein, Biest, das kann ich nicht.“
Seufzend zog sich das Biest zur Nachtruhe zurück.
Die ersten drei Monate vergingen wie im Pfluge und Bella gewöhnte sich an das Biest. Jeden Abend freute sie sich auf das gemeinsame Mahl. Und jedes Mal fragte er sie feierlich, ob sie ihn heiratete. Und immer gab sie ihm die Antwort:
„Nein, Biest, das kann ich nicht.“
Doch eines Tages frug sie ihn, warum er ihr jeden Tag einen Antrag machte, da sie ja niemals seine Frau werden könnte.
Beschämt erklärte er, dass sie Recht hätte, aber er sich in sie verliebt hätte und er sich aber damit zufrieden geben müsste, dass sie bei ihm war.
„Könnten ihr mir wenigstens versprechen, dass Ihr für immer bei mir bleibt?“
Da erschrak Bella.
„Ich will Euch dieses Versprechen geben, aber bitte lasst mich noch einmal fort. Über die Überwachungskamera sah ich, dass mein Vater totkrank ist. Ich will ihn noch ein letztes Mal besuchen.“
Das Biest erlaubte dies, mit der Prämisse, dass sie auch wirklich zurückkehrt. So sprach er:
„Morgen früh werdet Ihr in Eurem alten Bett aufwachen. Doch wollt ihr zurückkehren, dann müsst Ihr eine App vor dem Schlafengehen auf Eurem iPhone aktivieren. Die Schöne-und-das-Biest-App habe ich selbst entwickelt und gibt es nur für IOS.“
Am nächsten Morgen ward sie ihrem alten Bette aufgewacht und es kam zur Familienwiedervereinigung. Die beiden älteren Schwestern waren mittlerweile verheiratet - unglücklich verheiratet. Und daher waren sie neidisch, dass es Bella selbst beim Biest besser ginge als ihnen. So schmiedeten sie einen Plan: Wenn sie Bella länger aufhielten, würde das Biest böse werden und sie auffressen.
Nach einer Woche überredeten sie unter Tränen, dass die Schöne noch bleiben sollte, weil sie sie sonst so vermissen würden. Also blieb Bella. Allerdings wurde ihr klar, wie sehr sie das Biest vermisste.
In der zehnten Nacht hatte sie einen Traum, in dem das Biest völlig ermattet und tief und schwer seufzend im Gras lag. Da fuhr die Schöne im Schlaf auf und rief:
„OMG, es stirbt!“
Sie machte sich solche Vorwürfe, dass sie sogleich die App aktivierte und sich wieder hinlegte. Am nächsten Morgen erwachte sie im Schloss und suchte nach dem Biest. Doch es war nicht aufzufinden. Sie erhoffte sich, dass er beim Abendessen erscheinen würde, doch es kam nicht. Da hatte sie die Befürchtung, dass es tatsächlich starb, so wie sie es im Traum gesehen hatte. So suchte sie überall nach dem Biest und fand es tatsächlich so vor, wie sie es im Traum gesehen hatte: Es lag reglos im Gras.
Doch sein Herz schlug noch und so tat sie alles, um ihn wiederzubeleben. Zum Glück hatte sie einen Erste-Hilfe-Kurs belegt und leitete lebensrettende Maßnahmen ein. Stabile Seitenlage, Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung.
Schließlich erwachte das Biest und frug Bella, warum sie ihr Versprechen brach. Er war so traurig, dass er nicht mehr leben wollte.
Da wurde ihr klar, wie sehr sie ihn vermisste und versprach, bei ihm zu bleiben, solange sie lebte. Und dann frug sie leise:
„Wollt Ihr mich heiraten, Biest?“ (Emanzipation lässt grüßen!)
Plötzlich gab es ein lautes Feuerwerk und als sie das Biest anblickte, stand an seiner Stelle ein edler Prinz.
„Wo ist das Biest?“, stammelte die Schöne.
„Ich bin das Biest“, sagte der Prinz. „Vor vielen Hundert Jahren hatte mich eine böse Fee verzaubert und mich dazu verdammt, in dieser hässlichen Gestalt zu leben. Eigentlich heiße ich Edward. Und der Fluch konnte nur gebrochen werden, wenn sich eine Frau finden ließ, die mich heiratete.“
Beide gingen sodann zurück zum Schloss und im Vorhof wartete zu ihrer größten Überraschung die Familie der Schönen. Zudem stand da jene vornehme Dame, die Bella im Traum gesehen hatte. Sie war eine große und mächtige Fee.
„Ich bin stolz auf dich, mein Kind“, sagte die Fee. „Du hast die Güte des Herzens den Gaben des Geistes nd der Schönheit vorgezogen. Dafür sollt ihr beide glücklich bis ans Ende eurer Tage sein.“
Dann aber wandte sich die Fee an die beiden bösen Schwestern und verfluchte sie. Sie wurden in Stein verwandelt und sollten zukünftig vor dem Schloss stehen und täglich Zeugen des Glücks ihrer Schwester werden.
Bella und Edward aber waren für immer glücklich.

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