Mittwoch, 16. Mai 2012

Autorenfragerunde mit Petra Busch

Wieder einmal war ich so frei und bat eine Autorin darum, mir eine Frage zu beantworten. Petra Busch, die u.a. den sehr empfehlenswerten Krimi "Schweig still, mein Kind" geschrieben hat, ließ mich nicht lange warten. Hier könnt ihr nun nachlesen, was sie auf die folgenden Fragen antwortete:

Das Schreiben ist sicherlich eine große Leidenschaft für eine Autorin. Aber es ist auch mit viel Arbeit verbunden. Welche Aufgaben bereiten Ihnen weniger Spaß? Welche sind Ihnen vielleicht sogar lästig?

Petra Busch:
"Schreiben ist Leidenschaft und schafft auch Leiden, wie es so schön heißt. Dennoch: Ich sehe es in erster Linie als ganz normalen Job. Ich stehe morgens auf, füttere (wie mein Kriminalhauptkommissar Moritz Ehrlinspiel) meine beiden Katzen, dusche, trinke Kaffee, setze mich mit einer großen Kanne Tee an den Schreibtisch und fange an. Es gibt kein Warten auf eine Muse, die herbeischwebt und mich küsst. Sonst gäbe es bis heute kein einziges Buch von mir. Musen sind flatterhaft - Schreiben dagegen erfordert Sesshaftigkeit, nämlich hinter dem Rechner. Oder - zu Beginn, wenn man noch Ideen sammelt und im Kopf sortiert - auch auf dem Balkon oder dem Sofa. 

Dann geht es ans Plotten. Aus einer ersten Idee entsteht ein komplexes Handlungsgefüge. Parallel dazu entwickle ich die Figuren. Bevor das alles nicht fertig ist, schreibe ich keine Zeile. Protagonisten lebendig werden zu lassen, gehört zu meinen Lieblingsjobs. Meine Hauptcharaktere kenne ich ganz genau. Nicht nur ihr Aussehen. Sondern auch die soziale Herkunft und ihre Psyche, samt allen Licht- und Schattenseiten, Ticks, heimlichen und unheimlichen Angewohnheiten. 

Ich weiß zum Beispiel, warum mein Hauptkommissar sich den Schwachen der Gesellschaft verbunden fühlt. Weshalb Loyalität und Gerechtigkeit für ihn so wichtig sind. Dass er Rezepte für seine alten Siamkater Bentley und Bugatti erfindet und sie abends bekocht. Ich kenne seinen Freund und Kollegen Paul Freitag und dessen Sammlung skurriler Todesanzeigen. Natürlich kenne ich auch den Mörder oder die Mörderin, sein Seelenleben, seine Handlungsmotive und seine Biographie; all das, was auch diesen Menschen umtreibt und belastet.

Parallel zum Plotten und Figuren entwickeln recherchiere ich schon sehr viel. Ich habe Freunde bei der Kripo Freiburg und in der Rechtsmedizin, und das ist gut so. Denn mir ist es wichtig, dass eine Handlung so sein KÖNNTE, wie ich sie entwerfe - was keineswegs bedeutet, dass sie den Anspruch auf Realität erhebt. Doch das Vergnügen beim Krimilesen besteht ja (auch) darin, mitzurätseln, und wenn die Lösung völlig absurd wäre, ginge das nicht. Alle meine Bücher sind also fachlich gegengelesen. Recherche liebe ich sehr! Vor allem auch deshalb, weil ich bisher immer auf offene Türen gestoßen bin und meine "Quellen" mich stets mit hervorragenden Insider-Infos versorgt haben.

Nach etwa zwei bis drei Monaten geht's dann ans eigentliche Schreiben. Auch das eine geliebte Arbeit. Aber nicht immer einfach, denn es gibt Tage, das kommt man einfach nicht voran. Das ist frustrierend. Schafft Leiden, sozusagen. Plötzlich erscheint einem alles seltsam oder gar schlecht, was man da schon zu Papier gebracht hat. Zweifel kommen auf. Man hadert. Und dann plötzlich geht's wie von Zauberhand wieder weiter, manches läuft dann wie von allein. 

Das Einzige, was ich weniger gern mache, sind größere Plot-Änderungen während der Schreibphase. Es kann passieren, dass man hängt. Dass die Figuren eine Art Eigenleben entwickeln und woanders hinwollen, als der geplante Handlungsverlauf es vorsieht. Dann muss man Teile umstrukturieren und bis zum Ende des Buchs neu durchdenken. 

Summa summarum: Ob Plotten, Figuren entwickeln, Recherchieren, Schreiben, Überarbeiten - alles macht mir große Freude. Aber nur, weil es sich abwechselt, jede Phase der Buchentstehung ihre Zeit hat. Es ist halt wie überall: Die Mischung macht's."

Vielen lieben Dank, Frau Busch, dass sie sich hierfür die Zeit genommen haben!

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